Nazistrukturen in Freiburg
Donnerstag, 10.05.2007
Nach der Veröffentlichung einer gemeinsamen Pressemitteilung der Antifaschisitischen Aktion und der Autonomen Antifa Freiburg über die Naziumtriebe in der Zähringer Kneipe ‚Türmle‘, zeigt nun auch die Badische Zeitung Interesse daran.
In der BZ-Ausgabe vom 10. Mai schreibt Heinz Siebold:
„ Neonazis trafen sich klammheimlich - Rechte wurden vor einem Lokal im Stadtteil Zähringen ‚enttarnt‘ / Wirt fühlt sich ‚übel getäuscht‘“
Zusammendfassend stellt er fest:
„Für Neonazis ist Freiburg kein gutes Pflaster. Wo sie versuchen, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, stoßen sie auf energischen Widerstand. Das war bereits Anfang der 70er-Jahre so und die bis dato größte antifaschistische Demonstration mit über 20 000 Teilnehmern stoppte am 14. September 2002 eine geplante NPD-Demonstration schon auf dem Bahnhofsvorplatz.“
Die jüngsten Ereignisse zeigten jedoch, „dass die Nazis nicht locker [lassen], sie versuchen immer wieder, klammheimlich Fuß zu fassen. Aber auch beim jüngsten Anlauf sind sie schnell enttarnt worden: Als ein Dutzend NPD-Anhänger vor kurzem das Hinterzimmer eines Lokals in Zähringen (Name ist der Redaktion bekannt) aufsuchten, erkannten die Späher der Freiburger Autonomen Antifa und der Antifaschistischen Aktion unliebsame Bekannte. Den Waldshuter NPD-Bundestagskandidaten von 2005, Christoph Bauer, zum Beispiel. Der militante Neonazi ist nach Auskunft der Antifa wegen Beteiligung an der Schändung eines jüdischen Friedhofes in der Pfalz vorbestraft, er hat in Lörrach die ‚Aktion Sauberes Deutschland‘ gegründet und in Freiburg an der Universität studiert.“
Über den Gast der NPD, Jürgen Schwab, schreibt Siebold:
„Eingeladen hatte die NPD ihre Sympathisanten mit der Ankündigung, dass der ehemalige ‚Republikaner‘ und Burschenschafter Jürgen Schwab einen Vortrag halten würde. Der Publizist mehrerer rechtsextremer Blätter und Buchautor tanzt als freischaffender Rechtsaußen auf verschiedenen Hochzeiten, die NPD ist ihm nach eigener Aussage nicht mehr ‚nationalrevolutionär genug‘. Auf der Website der Oberrhein-NPD zollte Schwab aber unlängst Günther Oettinger ‚Respekt‘, weil er ‚seinem CDU-Kameraden Hans Filbinger auch über den Tod hinaus die Treue gehalten‘ habe. Der Propagandaredner war nach Auskunft der sachkundigen Beobachter jedoch nicht erschienen und die aus ganz Südbaden angereisten NPD-Anhänger verließen nach kurzer Zeit das Lokal ohne geistige Aufrüstung wieder.“
Die Polizei tappt wie so häufig im Dunkeln:
„In Freiburg selbst sind keine NPD-Mitglieder bekannt, die Polizei hat nach eigener Auskunft erst nach der Versammlung nicht weiter konkretisierte Ermittlungen aufgenommen.“
Und der Wirt will angeblich von nichts wissen:
„Dem Pächter des ‚gutbürgerlichen‘ Lokals in Zähringen sei die Gesellschaft im Nebenzimmer zwar suspekt, vorgekommen, doch erst später sei ihm gesagt worden, wes Ungeistes Kind die Gäste waren. Einen Hitlergruß, von dem Zeugen berichten, will er nicht gesehen haben. ‚Ich wurde ganz übel getäuscht‘, beteuerte der Wirt gegenüber dem SPD-Kreisvorsitzenden und Stadtrat Walter Krögner, als dieser sich um Aufklärung bemühte. Die SPD hatte des öfteren das Hinterzimmer für Parteiveranstaltungen genutzt und wollte wissen, ob man sich künftig in brauner Gesellschaft befinden würde. ‚Auf gar keinen Fall‘, betonte der Wirt, werde er die Neonazis wieder in seine Kneipe lassen, sie hätten sich schlicht und einfach unter einem unverdächtigen Personennamen angemeldet. Stammgäste der Wirtschaft seien bei der Neonaziversammlung im übrigen nicht dabei gewesen.“
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