Love, Hate but no Politics
Donnerstag, 03.05.2007
Am Abend des 1. Mai fand in Freiburg die Love or Hate Parade statt, kam jedoch aufgrund eines massiven Polizeiaufgebots nur wenige hundert Meter weit.
Auf indymedia gibt es zwei Artikel: 1 2
Auch die Badische Zeitung stellt in ihrer Ausgabe vom 2. Mai 2007 fest:
„Umzug kam kaum in Gang“
Weiter ist zu lesen:
„Eine Stunde nach ihrem angekündigten Beginn um 19 Uhr hatte sich die ‚Love or Hate-Parade‘, zu der mehrere autonome Gruppen aufgerufen hatten, gestern abend noch immer nicht in Bewegung gesetzt. Zwar fuhren gegen 20 Uhr mehrere große Kraftfahrzeuge mit Lautsprechern auf der Belfortstraße auf. Dennoch kam der Zug zunächst nicht in Gang.“
Zuvor waren bereits mehrere Wägen von der Polizei an der Anfahrt zur Parade gehindert worden. Gerhard M. Krik schreibt dazu in der BZ:
„[...] die Parade-Organisatoren wollten nicht auf die Fahrzeuge verzichten. Die Polizei mit ihrem Einsatzleiter Harry Hochuli beharrte dagegen darauf, dass die Auflagen des Freiburger Amtes für öffentliche Ordnung erfüllt würden: keine Kraftfahrzeuge, keine Techno-Ausrüstung. Zuvor hatten sich beide Seiten durch Vermittlung des Stadtrats Coinneach Mc Cabe (Bündnis 90/Die Grünen) darauf offenbar geeinigt, eine leicht veränderte Umzugsroute zu der von den Organisatoren geplanten einzuhalten.“
Und weiter:
„Nachdem sich die Polizei lange nur sehr sparsam gezeigt hatte, zogen gegen 20.15 Uhr auf der Belfortstraße einige Dutzend Uniformierte mit Helmen und Schlagstöcken auf. Kurz danach setzte sich der Umzug — bei dem unter anderem gefordert wurde "Freiburg! Gib uns Spielraum und mehr Lebensraum!" — doch noch in Bewegung — mit den Fahrzeugen. An der Universitätsbibliothek hielt ihn die Polizei aber wieder an, weil die Kraftfahrzeuge gegen die Auflagen verstießen. Bei Redaktionsschluss zeichnete sich ab, dass die Parade die Polizeiabsperrung durchbrechen wollte. Was die Polizei jedoch verhinderte.“
Schließlich zog die Demo durch die Sedan-Straße zurück ins Grün, wo noch bis nach Mitternacht auf der Straße unter Polizeischutz gefeiert wurde. Bis auf einen kurzen Beitrag zur Situation der KTS gab es während der Demonstration keine weiteren Redebeiträge.
In der Ausgabe der Badischen Zeitung vom 3. Mai 2007 berichtet Julia Littmann über
„Viel Lärm und viele Glasscherben im Sedanquartier“
Für sie ist klar:
„Die ‚Love or Hate‘ -Parade am 1. Mai war für die Teilnehmer ein Happening, für etliche Anwohner eine ziemliche Strapaze.“
Weiter führt sie aus:
„Die erste Mainacht war ungewollt lang und laut für die Anwohner von Wilhelmstraße und Belfortstraße: Was am Dienstag um 19 Uhr als ‚Love or Hate‘ -Parade begonnen hatte, wurde nach einem Umzug in Richtung Stadt zunächst mittels Einkesselung von Polizeikräften gestoppt (die BZ berichtete). Nach Verhandlungen, die vor allem Grünen-Stadtrat Coinneach McCabe führte, gewährte die Polizei den etwa 500 Parade-Demonstranten gegen 22 Uhr den Rückzug auf die Wilhelmstraße. Drei mit üppigen Musikanlagen gut bestückte Fahrzeuge beschallten von da an bis um eins in der Nacht das Viertel — um halb zwei kehrte dann Ruhe ein.“
Auch Hanne Beyermann-Grubert vom Bürgerforum Sedanquartier kommt zu Wort:
„Bis es endlich soweit war, [...] waren etliche Anwohner bereits ziemlich verzweifelt: ‚Die Lautstärke von jedem der drei Musikwagen war heftig und in der Summe eine wahnsinnige Überstrapazierung.‘ Eigentlich war der Einsatz der mobilen Diskos ohnehin untersagt — dass sie dennoch mitfuhren war ein Verstoß gegen versammlungsrechtliche Auflagen, erläutert Petra Zint häfner vom Presseamt der Stadt Freiburg. Über dieses widerrechtliche Verhalten sei der Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung informiert gewesen — er habe sich in der Leitstelle der Polizei aufgehalten — und in Absprache mit ihm sei der Einsatz gelaufen. Den beschreibt Ulrich Brecht, Pressesprecher der Polizei, als unspektakulär : ‚Es gab nichts Besonderes.‘ Durchaus besonders war allerdings, dass Oberbürgermeister Dieter Salomon sich von halb elf an eine Stunde lang vor Ort aufhielt und mit der Einsatzleitung das weitere Vorgehen besprach. Den Anwohnern dauerte das alles zu lange: Sie sprachen erst mit den Demonstranten, dann mit dem OB — und schließlich mit der Einsatzleitung. Die Paradeteilnehmer sollten mitsamt Fahrzeugen abziehen können, so das Verhandlungsergebnis, das kurz nach eins umgesetzt wurde. Ruhe herrschte da noch nicht im Quartier: Zwischen zwei und fünf Uhr war ein Kehrfahrzeug der Stadtreinigung im Einsatz. ‚Der Flaschenbruch bei dieser Veranstaltung war enorm‘, erklärt Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung, ‚derartig viele Glasscherben — das ist sehr mühselig.‘“
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