Nazis in der Pfalz
Sonntag, 22.04.2007
Um auf die aktuelle Häufung rechter Übergriffe in der Pfalz aufmerksam zu machen, hat der ak Antifa Mannheim einen offenen Brief verfasst:
Am Samstag, den 14. April 2007 kam es in Ludwigshafen, Landau,
Kaiserslautern und möglicherweise in weiteren Städten zu
Propagandaaktionen der regionalen Nazi-Szene. In diesem Zusammenhang kam
es von Seiten der Nazis zu mindestens drei gewalttätigen Übergriffen,
bei denen mehrere Jugendliche verletzt wurden. Die Propagandaaktionen
der Nazis waren offenbar ordnungsgemäß angemeldet und von den jeweiligen
Ordnungsämtern verschwiegen worden. Damit wurde es den Nazis nicht nur
ermöglicht, ohne antifaschistischen Protest Propaganda zu verbreiten,
sondern auch, auf unliebsame Personen einzuschlagen.
Die NPD hatte in oben genannten Städten Infotische organisiert und dabei
rechtsextreme und antisemitische Propaganda, unter anderem die
sogenannte „Schulhof-CD“ und völkische Flugblätter gegen Globalisierung
verteilt. In Landau waren dabei zusätzlich 20 Nazi-Schläger aus dem
Kameradschaftsspektrum angereist, in Ludwigshafen waren bekannte
Nazikader von NPD und „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ vor Ort.
In Neustadt wurde auf dem Heimweg ein Jugendlicher von Nazis
angegriffen, in Heidelberg kam es abends zu einem Übergriff. In Landau
wurden drei Jugendliche am nächsten Tag von zehn Nazis
zusammengeschlagen und -getreten. Am darauffolgenden Dienstag kam es zu
Nazischmierereien an einer Moschee in Ludwigshafen. Dies sind nur einige
Beispiele der letzten Woche, die öffentlich gemacht wurden. Die
Dunkelziffer rechtsextremer Gewalt in der Pfalz ist um ein vielfaches
größer. Tagtäglich sind Menschen, die nicht in das rechtsextreme,
fremdenfeindliche und antisemitische Weltbild von NPD und „Aktionsbüro
Rhein-Neckar“ passen, der Gewalt auf der Strasse ausgeliefert.
Die Rheinland-Pfälzer Politik ist meist von Zurückhaltung
gekennzeichnet, wenn es um Rechtsextremismus vor der eigenen Haustür
geht, sei es in Landau, an der Weinstraße oder sonstwo. Rechtsextreme
Gewalt wird gerne verschwiegen, das Problem bei den Opfern gesucht oder
ein wirres Konstrukt von Konflikten zwischen Jugendlichen oder „Linken“
und „Rechten“ herbeigeredet. Das Verheimlichen der Nazi-Veranstaltungen,
das Ordnungsämter, Polizei und Lokalpolitik gemeinsam betreiben, ist
dabei typisch - und die Nazis profitieren davon. Ohne
Gegenmobilisierung, ohne öffentliche Beobachtung und ohne
antifaschistischen Protest können sie zuschlagen, einschüchtern und ihre
Propaganda verteilen.
Am Samstag, den 15. Mai kündigt die NPD im Internet bereits die nächsten
„landesweiten Aktionen“ in Rheinland-Pfalz an.
Um den Nazi-Terror in der Pfalz zu beenden, fordern wir
Sofortige Veröffentlichung und Bekanntmachung der Anmeldung von
Naziveranstaltungen seitens der Ordnungsämter
Öffentlichen Protest gegen rechtsextreme Propaganda - auch auf der Straße
Schluss mit der Kriminalisierung derer, die sich den Nazis entgegenstellen
Schluss mit dem Totschweigen und Verheimlichen des Nazi-Problems
Die antifaschistische Selbsthilfe organisieren!
Kampf dem Faschismus auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!
Ak Antifa Mannheim, April 2007
Mitglied im Antifaschistischen Aktionsbündnis Rhein-Neckar (AARN)
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