Deutsche Provinz: Übergriffe und Nazipropaganda in der Pfalz
Freitag, 20.04.2007
Anlässlich eines Infostandes der NPD und faschistischer Übergriffe einige Tage später veröffentlicht die Antifaschistische Aktion Landau folgende Pressemitteilung:
Infostand der neofaschistischen NPD in Landauer Fußgängerzone sowie Übergriff von Nazis auf alternative Jugendliche in Landau und Neustadt
Am Samstag, den 14. April 2007 veranstaltete der NPD-Kreisverband Deutsche Weinstraße anlässlich eines „Bundesweiten Aktionstag gegen den G8-Gipfel“ einen Infostand in der Landauer Fußgängerzone.
Neben einer vor antiamerikanischen und antisemitischen Klischees strotzenden Anti-G8-Broschüre wurde als zusätzliches „Bonbon“ die NPD Schulhof-CD verteilt. Mit dieser CD, die den Untertitel „Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker“ trägt, versucht die NPD bereits seit 2005 über Rockmusik und Balladen mit nationalistischen, rassistischen und revisionistischen Inhalten junge Menschen, insbesondere Erstwähler, für sich zu gewinnen.
Beschützt wurde der NPD-Stand von etwa 20 überwiegend aus dem Raum Vorderpfalz stammenden und der militanten Kameradschaftsszene zuzurechnenden Nazis. Dieses martialische Auftreten durch den Standschutz schreckte wohl bereits im Vorfeld den Grossteil der PassantInnen ab, so dass die Nazis nur wenig Chancen hatten, ihre menschenverachtenden Inhalte zu verbreiten. Ihren Frust ließen wohl einige der Teilnehmer nach ihrer Abreise am Neustädter Hauptbahnhof an einem vermeintlichen Linken aus, wobei dieser trotz eines massiven Angriffs glimpflich davon kam.
Die Veranstaltung wurde sowohl von Presse als auch von der Stadtverwaltung komplett totgeschwiegen, so dass organisierter Protest nicht möglich war. Als AntifaschistInnen nach kurzer Mobilisierung gegen 13 Uhr dem Spuck in der Landauer Fußgängerzone ein Ende bereiten wollten, waren die Nazis bereits abgereist.
Nur 2 Tage später, am Montag, den 16. April 2007 wurde der Hauptbahnhof Landau zum Schauplatz von Naziübergriffen.
3 alternative Jugendliche wurden zunächst von 5 Nazis auf dem Bahnhofsvorplatz angepöbelt. Da die sich auf dem Weg zu den Gleisen befindlichen, späteren Opfer die Pöbeleien ignorierten, nahmen die Neofaschisten die Verfolgung auf. Am Gleis angekommen, ließen die Verfolger zunächst von den Jugendlichen ab, als diese von weiteren 5 hinzu geeilten Nazis angriffen wurden. Zunächst wurde einem der Jugendlichen ins Gesicht geschlagen. Hierdurch zu Boden gegangen, wurde er mit weiteren Schlägen und Tritten in den Rücken traktiert. Anschließend entfernten sich die Nazis. Die möglicherweise von Passanten verständigte Polizei kam leider 20 Minuten zu spät und konnte somit die Täter nicht mehr stellen.
Andreas Müller, Sprecher der Antifa Landau: „Dass sich Nazis inzwischen wieder nach Landau trauen, zeigt doch deutlich, dass sich die Naziszene in und um Landau recht wohl fühlt. Die Zusammenarbeit zwischen vermeintlich friedlichen ‚Politaktivisten‘ der NPD und militanten Stiefelnazis wurde am Samstag wieder einmal deutlich:
Während die Biedermänner der NPD ihre Propaganda unters Volk bringen wollten, widmete sich der Standschutz, welcher sich aus militanten Nazis rekrutierte, dem ‚Kampf um die Straße‘.
Dass Stadtverwaltung und Presse den Nazis mit ihrem ignoranten Verhalten indirekt helfen, ihre pseudoantikapitalistischen, mit antisemitischen Stereotypen durchzogenen Vorderrungen zu verbreiten, muss beiden direkt angekreidet werden.
Konsequenter Antifaschismus heißt für uns nicht, die Nazis totzuschweigen, sondern aktiv gegen sie und ihre Rückzugsräume vorzugehen. Konkret bedeutet dies, dass die gemeinsam mit regionalen AntifaschistInnen ins Leben gerufene Antifakampagne ‚Kein ruhiges Hinterland‘ in nächster Zeit auch in der Pfalz halt machen wird.“
Antifaschistische Aktion Landau
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