Alles Schicksal: Filbinger doch kein Nazi
Mittwoch, 11.04.2007
Heute wurde der ehemalige Nazi-Marinerichter Hans Filbinger in Freiburg begraben - nicht ohne ihm mit einem Staatsakt im Münster zu gedenken. Hunderte Menschen kamen, um dem „furchtbaren Juristen“ und CDU-Ehrenvorsitzenden die letzte Ehre zu erweisen. Neben OB Salomon und Uni-Rektor Jäger nahmen zahlreiche bedeutende Politiker, wie Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Unions-Fraktionschef Volker Kauder an der Trauerfeier teil.
In plattester geschichtsrevisionistischer Manier verteidigte Regierungschef Günther Oettinger Filbinger gegen die Kritik an seiner Tätigkeit als Marinerichter während des Nationalsozialismus. Hans Filbinger sei kein Nationalsozialist gewesen, so Oettinger. „Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.“ Er fügte hinzu: „Er hatte nicht die Entscheidungsmacht und nicht die Entscheidungsfreiheit, die seine Kritiker ihm unterstellen.“ Der in Mannheim geborene Jurist Filbinger sei Gegner des Nazi-Regimes gewesen, habe sich den damaligen Zwängen aber beugen müssen. Dies müssten auch Filbingers Kritiker einräumen. „Für uns Nachgeborene ist es schwer bis unmöglich, die damalige Zeit zu beurteilen“, sagte der amtierende Ministerpräsident des Landes. „Hans Filbinger ist schicksalhaft in eine Situation hineingeraten, die den Menschen heute zum Glück erspart bleibt.“ Als Ministerpräsident habe Filbinger Baden-Württemberg entscheidend geprägt. „Er war ein Landesvater im besten Sinn dieses großen Wortes.“
Der Freiburger Weihbischof Rainer Klug würdigte den Alt-Ministerpräsidenten beim Staatsakt als überzeugten und fest in der katholischen Kirche verwurzelten Christen. Der christliche Glaube sei für Filbinger Richtschnur und Lebensgrundlage gewesen, sagte Klug. Er äußerte die Vermutung, dass manche Aussagen Filbingers von späteren Generationen einmal in anderem Licht gesehen werden.
Zum Glück gab es auch Proteste gegen diese skandalöse Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen.
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