Antifaschistische Aktion Freiburg
Täter der Friedhofsschändung in Ihringen verurteilt
Freitag, 23.11.2007

Wie die Badische Zeitung in ihrer heutigen Ausgaube mitteilt, sind die vier Nazis, die im August auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen 71 Grabsteine umgestoßen und teilweise zerstört hatten, gestern vor dem Freiburger Amtsgericht verurteilt worden.

Schändung des Friedhofs vor Gericht

Vier junge Männer sind gestern vor dem Freiburger Amtsgericht für schuldig befunden worden, den jüdischen Friedhof in Ihringen geschändet zu haben. Die Angeklagten im Alter zwischen 28 und 16 Jahren wurden zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung sowie zu ein und zwei Wochen Jugendarrest verurteilt. Ein Jugendlicher muss zudem 60 Arbeitsstunden ableisten.

Da die Verhandlung vor dem Jugendgericht stattfand, war die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Auch über das Motiv der Täter wurde vorerst nichts bekannt.

Die BZ schreibt weiter:

Die Angeklagten mussten sich wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung verantworten. Sie haben vergangenen August auf dem jüdischen Friedhof 71 Grabsteine umgestoßen, mehrere gingen dabei zu Bruch. Die Tat hatte große Bestürzung in Ihringen und der Region ausgelöst. Eine Woche nach der Tat wurden die Vier identifiziert. Sie stammen aus den Kreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. Der 28-jährige Handwerker, der seither in Untersuchungshaft saß, war außerdem wegen unerlaubten Waffenbesitzes und Gefährdung des Straßenverkehrs auf der Flucht angeklagt. Das Gericht hat ihm für zehn Monate den Führerschein entzogen.

Gleich zu Beginn der Verhandlung hatte das Jugendgericht auf Antrag der Verteidiger die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Gerade den jüngeren Angeklagten könnte es schwer fallen, über ihre Beweggründe offen vor Publikum zu sprechen, so einer der Anwälte. Gegen das Urteil können noch binnen einer Woche Rechtsmittel eingelegt werden.

Bisherige Meldungen zu Ihringen: 1, 2, 3, 4, 5, indy

Die antisemitische Tat reiht sich ein in mehrere weitere Zerstörungen jüdischer Friedhöfe. Im März dieses Jahres wurde der jüdische Friedhof in Neustadt an der Aich (Mittelfranken) zerstört (1). Im August wurde der jüdische Friedhof in Heilbronn von Neonazis attackiert (2). Auch in Freudental im Landkreis Ludwigsburg wurde ein jüdischer Friedhof geschändet (3, 4). Insgesamt sind seit 1997 in Baden-Württemberg 51 Schändungen von jüdischen Friedhöfen dokumentiert. Die Zahl der antisemitischen Straftaten allgemein ist im Jahr 2007 deutlich gestiegen.


Einen Tag später berichtet die Badische Zeitung erneut über den Fall. Darin werden die milden Urteil für die jüngeren Täter damit begündet, sie haben „glaubhaft Abstand vom rechtsradikalen Hintergrund“ genommen.

Der Älteste führte Gruppe zum Friedhof — Rechtsradikalismus als Motiv

Der Anstifter für die Verwüstung des jüdischen Friedhofs in Ihringen war der Älteste aus der Gruppe, die am Donnerstag für die Tat verurteilt worden war. Dies teilte ein Sprecher des Amtsgerichts Freiburg gestern mit. [...] Die vier jungen Männer im Alter zwischen 16 und 28 Jahren stammen aus den Kreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald. Der 28-jährige Anführer erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Dabei trug das Gericht auch der Tatsache Rechnung, dass er bislang nicht vorbestraft war und seit August in Untersuchungshaft saß, erklärte der Gerichtssprecher. Zwei Jugendliche und ein Heranwachsender wurden zu ein beziehungsweise zwei Wochen Jugendarrest, in einem Fall auch 60 Arbeitsstunden verurteilt. Für sie sprach, dass sie sich sofort geständig zeigten, als die Polizei ihnen auf die Spur gekommen war, und dass sie glaubhaft Abstand vom rechtsradikalen Hintergrund nahmen.

Im Rechtsradikalismus sieht das Gericht das Motiv begründet. Die Tat vom 11. August hatte für Entsetzen gesorgt — weit über die Ihringer Gemeinde hinaus. Diese kümmert sich gemeinsam mit dem Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden um den Friedhof — und nicht, wie es in der Verhandlung zunächst hieß, ein Breisacher Verein.



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